{"id":3425,"date":"2023-07-20T14:30:21","date_gmt":"2023-07-20T14:30:21","guid":{"rendered":"https:\/\/preview.alfaview.com\/?p=3425"},"modified":"2025-08-07T16:29:46","modified_gmt":"2025-08-07T14:29:46","slug":"deutscher-videokonferenzanbieter-alfaview-reicht-beschwerde-bei-eu-kommission-gegen-microsoft-wegen-missbrauchs-von-marktmacht-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alfaview.com\/de\/deutscher-videokonferenzanbieter-alfaview-reicht-beschwerde-bei-eu-kommission-gegen-microsoft-wegen-missbrauchs-von-marktmacht-ein","title":{"rendered":"Deutscher Videokonferenzanbieter alfaview reicht Beschwerde bei EU-Kommission gegen Microsoft wegen Missbrauchs von Marktmacht ein"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Karlsruher Unternehmen alfaview hat heute bei der Europ\u00e4ischen Kommission eine formelle Beschwerde gegen das US-Unternehmen Microsoft wegen Missbrauchs von Marktmacht eingereicht. Die Beschwerde richtet sich gegen die Kopplung von \u201eMicrosoft Teams\u201c (Videokonferenz- und Kollaborations-Tool) mit \u201eMicrosoft Office\u201c (Produktivit\u00e4tssoftware).<\/p>\n\n\n\n<p>alfaview bietet eine gleichnamige Software f\u00fcr Videokonferenzen und die Zusammenarbeit in Unternehmen und Institutionen an. Die Software konkurriert mit Microsoft Teams um gesch\u00e4ftliche Kunden, insbesondere im Bereich Bildung und Fortbildung \u2013 jedoch nicht auf Basis einer gleichwertigen Wettbewerbssituation: Bereits seit 2017 vertreibt Microsoft seinen Dienst Teams standardm\u00e4\u00dfig zusammen mit seinem marktbeherrschenden Office Software-Paket (darin enthalten u.a. Word, Excel, Outlook, PowerPoint). Seitdem erhalten nahezu alle Kunden der meistgenutzten Produktivit\u00e4tssoftware Office automatisch auch den eigenst\u00e4ndigen Dienst Teams, ohne hierf\u00fcr einen separaten Preis zu zahlen oder gefragt zu werden, ob man das Produkt \u00fcberhaupt nutzen m\u00f6chte. Teams erlangt durch diesen kombinierten Vertrieb in einem Produktb\u00fcndel namens \u201eMicrosoft 365\u201c einen einzigartigen und nicht durch Leistung gerechtfertigten Wettbewerbsvorteil, den Konkurrenten wie alfaview nicht ausgleichen k\u00f6nnen. Hierdurch wird der Wettbewerb auf dem Markt f\u00fcr derartige Kommunikations-Software erheblich und nachhaltig beeintr\u00e4chtigt, wie sich an der exponentiellen Verbreitung von Teams eindr\u00fccklich zeigt. Teams verf\u00fcgt mittlerweile weltweit \u00fcber mehr als 300 Millionen monatlich aktive Nutzer und hat damit einen Vorsprung, der ohne kartellbeh\u00f6rdliche Intervention nicht mehr eingeholt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>alfaview strebt ein f\u00f6rmliches Kartellrechtsverfahren gegen Microsoft an, in dem die Missbr\u00e4uchlichkeit der Integration von Teams in die Microsoft 365-Produktreihe festgestellt und adressiert wird. alfaview stand bereits seit L\u00e4ngerem im Austausch mit der Kommission zu diesem Thema. Anlass f\u00fcr die nunmehrige formale Beschwerde waren die Zusagen, die Microsoft der Europ\u00e4ischen Kommission laut Presseberichten zur Vermeidung eines formalen Verfahrens unterbreitet hatte und die alfaview als v\u00f6llig unzureichend ansieht. Mit dem heutigen Schritt m\u00f6chte alfaview seinen wettbewerblichen Bedenken Nachdruck verleihen und der Wettbewerbsbeh\u00f6rde weitere Informationen zukommen lassen, damit diese zeitnah Ma\u00dfnahmen gegen Microsoft einleiten kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund der Beschwerde<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Softwaregigant Microsoft beherrscht mit seinem Office-Paket den Markt f\u00fcr Produktivit\u00e4tssoftware. Microsoft hat seinen separaten Dienst Teams in Microsoft 365 integriert, ohne alternativen Anbietern von Video- und Kommunikationsl\u00f6sungen eine \u00e4hnliche Integration zu erm\u00f6glichen. Damit setzt Microsoft diese beherrschende Stellung auf dem Markt f\u00fcr Produktivit\u00e4tssoftware als Hebel ein, um Teams einen Reichweiten- und damit Wettbewerbsvorteil auf dem Markt f\u00fcr entsprechende Kommunikationssoftware zu verschaffen. Dieser Wettbewerbsvorteil ist ungerechtfertigt, weil er mit der Leistung oder Qualit\u00e4t von Teams nichts zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<p>alfaview sieht sich angesichts der hohen Verbreitung der Office-Suite im Business- und Education-Bereich in seinen Erfolgschancen gehemmt. Wettbewerbern w\u00fcrde der Erhalt der Marktposition deutlich erschwert, weil jeder Office-Kunde \u201e<em>vermeintlich kostenfrei das Programm Teams mitgeliefert bekommt<\/em>\u201c, so das&nbsp;Softwareunternehmen alfaview. Die hohen Kosten f\u00fcr Teams finanziere Microsoft \u00fcber die Office-Anwendungen quer.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Markt zeigt sich, dass Unternehmen und Institutionen nicht mehr bereit sind, Budget f\u00fcr eigenst\u00e4ndige Videokonferenzprogramme bereitzustellen, weil Teams in den gebuchten Office-Paketen bereits enthalten ist. Unternehmen, Schulen und \u00f6ffentliche Einrichtungen, die Microsoft 365-Suite lizenziert haben, m\u00fcssen f\u00fcr die hohen Serverkosten von Teams mit bezahlen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie das Programm nutzen wollen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eDurch die B\u00fcndelung von Teams mit den anderen Programmen der Microsoft 365-Suite ergibt sich ein multipolarer Vertriebsvorteil f\u00fcr den US-Konzern.\u201c<\/em><br>&#8211; Niko Fostiropoulos, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder von alfaview<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In der Beschwerde von alfaview hei\u00dft es: Durch die Kopplung werden wichtige Innovationen aus der Europ\u00e4ischen Union ausgehebelt und jeder Wettbewerb zunichte gemacht. Teams hat nahezu \u00fcber Nacht dieselbe Reichweite erlangt wie Office, obwohl es f\u00fcr viele Nutzer \u2013 insbesondere solche, die gro\u00dfen Wert auf Datenschutz legen \u2013 passendere L\u00f6sungen wie alfaview gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kernforderung von alfaview ist die transparente Bepreisung von Teams anhand der realen Kosten. Aus Sicht des Videokonferenzanbieters muss sichergestellt sein, dass f\u00fcr alle Microsoft 365-Produktkonfigurationen \u00e4quivalente Buchungsm\u00f6glichkeiten ohne Teams f\u00fcr alle Gesch\u00e4ftsbereiche, Zielgruppen und Marktsegmente des Unternehmens angeboten werden. Auch im Rahmen von Marketing und Vertrieb m\u00fcsse Microsoft sich dazu verpflichten, seine Produkt-Pakete ohne Teams gleichwertig zu bewerben. Ebenso m\u00fcsse hinsichtlich der Interoperabilit\u00e4t gew\u00e4hrleistet sein, dass Wettbewerbern auch technisch dieselben M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Thomas H\u00f6ppner, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Hausfeld, die alfaview im Rahmen der Beschwerde vertritt, erg\u00e4nzt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eWir d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger hinnehmen, dass gro\u00dfe Tech-Unternehmen wichtigen Innovationen aus Europa den Zugang zu Absatzm\u00e4rkten erschweren, um ihre eigenen, oft weniger relevanten Angebote vor Wettbewerb zu sch\u00fctzen. Mit alfaview gibt es eine revolution\u00e4re Kommunikations-, Kollaborations- und KI-Technik aus Deutschland \u2013 sie sollte auch eine gleichberechtigte Chance haben, Abnehmer zu erreichen und zu \u00fcberzeugen.\u201c<\/em><br>&#8211; Thomas H\u00f6ppner (Hausfeld)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die EU-Kommission ist bereits mehrfach gegen Microsoft wegen missbr\u00e4uchlicher Gesch\u00e4ftspraktiken aktiv geworden. 2004 verh\u00e4ngte die Kommission ein Bu\u00dfgeld von fast 500 Millionen Euro, weil Microsoft sein marktbeherrschendes PC-Betriebssystem \u201eWindows\u201c mit dem separaten \u201eMedia Player\u201c technisch gekoppelt hatte. 2009 stellte die Kommission eine gleichartige Kopplung des Browsers \u201eInternet Explorer\u201c an Microsofts Betriebssystem Windows fest. In diesem Zusammenhang wurde ein weiteres Bu\u00dfgeld in H\u00f6he von rund 560 Millionen Euro verh\u00e4ngt. Die Untersagung der Koppelungspraktik f\u00fchrte zu einer Wiederbelebung des Wettbewerbs im Bereich der Web-Browser. Das deutsche Bundeskartellamt hatte im M\u00e4rz 2023&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bundeskartellamt.de\/SharedDocs\/Meldung\/DE\/Pressemitteilungen\/2023\/28_03_2023_Microsoft.html;jsessionid=57D13649CDC301712F508F335F690227.2_cid362?nn=3591568\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">angek\u00fcndigt<\/a>, Microsoft als ein Unternehmen mit \u00fcberragender markt\u00fcbergreifender Bedeutung f\u00fcr den Wettbewerb zu bestimmen und damit einer besonderen Missbrauchsaufsicht unterwerfen zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch vor datenschutzrechtlichem Hintergrund ist die Nutzung von Teams in der Europ\u00e4ischen Union&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.datenschutz-berlin.de\/fileadmin\/user_upload\/pdf\/orientierungshilfen\/2021-BlnBDI-Hinweise_Berliner_Verantwortliche_zu_Anbietern_Videokonferenz-Dienste.pdf#page=4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">problematisch<\/a>: Aufgrund eines rechtswidrigen Transfers von Daten in Drittstaaten haben 2022 mehrere Landesdatenschutzbeauftragte Teams in \u00f6ffentlichen Einrichtungen und Schulen verboten. Durch die technische Kopplung mit Office bezahlen jedoch auch diejenigen Kunden f\u00fcr Teams, die das Programm aufgrund datenschutzrechtlicher Bedenken gar nicht nutzen k\u00f6nnen oder wollen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber alfaview<\/h2>\n\n\n\n<p>alfaview ist ein leistungsf\u00e4higer SaaS-Videokonferenzanbieter, der eine DSGVO-konforme Videokonferenz- und KI-Kollaborationsl\u00f6sung f\u00fcr den professionellen Bereich anbietet. alfaview ist bereits seit dem Jahr 2010 erfolgreich in der Unternehmensgruppe zur Durchf\u00fchrung von Schulungen in der beruflichen Weiterbildung im Einsatz. Seit 2016 steht die Software kommerziell auch f\u00fcr Dritte am Markt zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Videokonferenzl\u00f6sung alfaview k\u00f6nnen audiovisuelle Meetings und Veranstaltungen mit bis zu 1.000 Personen durchgef\u00fchrt werden. Dar\u00fcber hinaus sind Live-Events mit \u00fcber 10.000 Personen \u00fcber alfaview m\u00f6glich. Die Anwendung enth\u00e4lt eine KI-gesteuerte Sprachprotokollierung und Sprach\u00fcbersetzung sowie weitere intelligente Kommunikations- und Kollaborationsfeatures.<\/p>\n\n\n\n<p>alfaview ist die einzige hoch leistungsf\u00e4hige DSGVO-konforme KI-unterst\u00fctzte Konferenz- und Kollaborationsplattform auf dem Markt. Das Unternehmen entwickelt seine Software auf der Basis neuester Verfahren und Algorithmen im Bereich der k\u00fcnstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Bereitstellung der Dienste werden ausschlie\u00dflich ISO 27001-zertifizierte Rechenzentren mit Standort und Unternehmenssitz in Deutschland genutzt. Die Video- und Audiostr\u00f6me sowie die Server sind nach aktuellen Standards (TLS\/AES 256) gem\u00e4\u00df der aktuellsten BSI-Richtlinien verschl\u00fcsselt. alfaview l\u00e4uft unabh\u00e4ngig von der Teilnehmerzahl stabil und ohne Latenzen auf allen g\u00e4ngigen Plattformen (MS-Windows, macOS, Linux, iOS, iPadOS und Android sowie \u00fcber versch. Browser). Die Ausfallsicherheit von alfaview liegt seit 2016 bei 99,9 %.<br>In der Unternehmensgruppe sind 500 Mitarbeitende besch\u00e4ftigt, der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Karlsruhe, Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr R\u00fcckfragen:<\/h2>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Thomas H\u00f6ppner<br>Partner \/ Rechtsanwalt<br>Hausfeld Rechtsanw\u00e4lte LLP<br>alfaviewcomplaint@hausfeld.com<br>+49 174 93 450 22 (mobil)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Karlsruher Unternehmen alfaview hat heute bei der Europ\u00e4ischen Kommission eine formelle Beschwerde gegen das US-Unternehmen Microsoft wegen<i class=\"icon excerpt-icon icon-ic_arrow_forward_24dp\"><\/i><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":3426,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,32,26,24],"tags":[],"class_list":["post-3425","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antitrust","category-datenschutz","category-netzwelt","category-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3425","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3425"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3425\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8563,"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3425\/revisions\/8563"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3425"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3425"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alfaview.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3425"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}